Vorab unsere Berichtigung und Kommentar zu dem Bericht:
1. Ist ABI-Köln eine Moslempartei?
Aus unserem Programm:
„Im Mittelpunkt unseres Programms steht ohne Wenn und Aber DER MENSCH als gleichberechtigter Bürger. Alle städtischen und staatlichen Institutionen, finanziellen und materiellen Möglichkeiten sollen im Dienste DES MENSCHEN stehen. Die freie Entfaltung seiner Möglichkeiten und der Respekt vor seinem kulturellen Leben sind unsere wichtigsten Ziele. Der Dienst am Menschen und die Versorgung seiner Grundbedürfnisse darf nicht von seinem Aufenthaltsstatus, seiner Nationalität, Hautfarbe oder Religion abhängig gemacht werden. Ihm werden diese Rechte allein durch seine Eigenschaft, ein MENSCH und gleichberechtigter Bürger zu sein, verliehen.
Alle Institutionen sollten dafür Sorge tragen, ihm die Erfüllung seiner Lebenswünsche zu ermöglichen, die rechtlichen und administrativen Barrieren und Hindernisse zwischen ihm und seiner Lebensgestaltung zu beseitigen.“
2. Zitat aus dem unteren Bericht: „So fordert die ABI beispielsweise, künftig sollten Sportangebote und -plätze speziell für Frauen geschaffen werden. Das wird mit dem Wunsch begründet, die Gesundheit der Mitbürgerinnen zu fördern. Es lässt sich darin aber auch der Versuch erkennen, die von allen islamischen Rechtsschulen propagierte Geschlechtertrennung zu fördern.„
Antwort der ABI-Köln: Aus welchem Grund immer beteiligen sich viele Migrantinnen nicht an sportlichen Aktivitäten. Als wir nach ihren Wünschen fragten, äußerten sich viele für solche Sportmöglichkeiten. Wir sehen es nicht als eine Förderung der Geschlechtertrennung sondern als eine Möglichkeit, auch dieser Gruppe mit speziellen Sportangeboten gesundheitsfördernd zu Gute zu kommen.
3. Zitat aus dem unteren Bericht: „Zwei führende ABI-Mitglieder waren in einer Studentengruppe der Milli Görüs aktiv, mit einem Milli-Görüs-Funktionär leiteten sie später eine Internetzeitung. Und die Adresse der ABI ist laut Telefonauskunft identisch mit der von Milli Görüs in Köln. Dennoch beteuert Kayhan, kein ABI-Mitglied habe „Kontakt oder Verbindungen zu der IGMG“.
Antwort der ABI-Köln: Zwei Mitglider der ABI-Köln waren bis 1994 bei Milli Görüs. Wären sie mit den Zielen d’accord, hätten sie nicht damals eigene Wege geschlagen. Mit welchem IGMG-Funktionär wir die Internetzeitung geleitet haben, hat Herr Stoldt uns nicht verraten.
Vor etlichen Jahren hatte die Kölner IGMG diese Räumlichkeiten gemietet. Einige Jahre stand das Objekt frei. Unser Vermieter ist ein Deutscher. Nun haben wir vor 2 Jahren diese Räumlichkeiten bezogen. Was können wir dafür, wenn Internetinformationen nicht aktualisiert werden.
Wir sind unabhängig, und für uns ist diese Unabhängigkeit sehr wichtig. Verbindung zu IGMG haben wir überhaupt nicht. Und Kontakt haben dermaßen nicht, so dass wir unter ihrem Einfluß stünden. Kontakt haben wir zu allen Organisationen in Köln, zu keiner aber mehr als zu einer anderen. IGMG distanzierte sich ganz offiziel von uns und gab bekannt, dass sie solche Gemeinschaften nicht unterstützt. Unsere Arbeit wurde sogar teilweise von IGMG blockiert.
Abgesehen davon ist es schlechter Jornalismus sich dem Internet zu verlassen und nicht vor Ort zu recherchieren.
4. Zitat aus dem unteren Bericht: „Spezifisch islamisch klingt wiederum die ABI-Forderung, zusätzlich zinslose Kredite an Familien zu vergeben, die sich keine Kinder leisten können. Damit greift die Partei eine in der islamischen Welt weit verbreitete Praxis auf, die zugleich das koranische Zinsverbot berücksichtigt.“
Original aus unserem Wahlprogram: „Förderung der Familie und finanzielle Unterstützung für Jungfamilien mit oder ohne Kinder. Zinslose Kredite für Menschen, die wegen finanzieller Schwierigkeiten/Engpässe keine Familien gründen können.„
Antwort der ABI-Köln: Auch wenn zinslose Kredite zur Förderung des Gemeinwesens und Investition in die Zukunft verpönt wären, wir stehen dazu.
5. Zitat aus dem unteren Bericht: „Zudem plädiert die ABI für eine Zusammenarbeit der Stadt mit „gemäßigten“ Muslimverbänden. Als gemäßigt definierte der ABI-Vorsitzende Kayhan auf Anfrage jede Muslimorganisation, „die als Ansprechpartner von den deutschen Regierungen akzeptiert“ werde. Damit wäre zum Beispiel auch die Islamistengruppe Milli Görüs gemäßigt, obwohl sie vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Denn auch mit ihr pflegen Bundes- und Landesregierungen den Dialog.„
Unsere Antwort an Herrn Stoldt lautete diesbezüglich: „Wenn wir gewählt werden sollten, wollen wir uns für eine Kooperation mit „gemäßigten“ Muslimverbänden einsetzen, um gegen die Radikalisierung unter muslimischen Jugendlichen vorzugehen. Diese Kooperation soll natürlich von der Stadtverwaltung, dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat geführt werden. Zu der Frage, welche der Verbände gemäßigt sind, können wir uns nur an das Verhalten der Bundesregierung und der Landesregierungen halten, da wir das Innenleben dieser Verbände nicht gut kennen. Jede Organisation der Muslime, die als Ansprechpartner von den deutschen Regierungen akzeptiert und somit auch von den Regierungen als gemäßigt betrachtet werden, sehen wir ebenfalls als gemäßigt an. Wer sich an die Gesetze in Deutschland hält und nicht gegen das Grundgesetz verstößt, sich für die Belange der Menschen in Deutschland einsetzt und die Würde des Menschen respektiert, sich gegen Rassismus, Diskriminierung und Radikalismus einsetzt, islamische Grundsätze nicht überzogen und radikal interpretiert, ist für uns gemäßigt.„
Kommentar der ABI-Köln abschließend: Man fragt sich, ob alle Berichte so recherchiert sind, die auf dem geduldigen Papier und noch mehr geduldigeren Online-Ausgaben erscheinen.
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URL: http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article4425463/Politik-aus-dem-Geist-des-Korans.html
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Politik aus dem Geist des Korans
Von Till-R. Stoldt 30. August 2009, 04:00 Uhr
Erstmals stellen sich heute in Nordrhein-Westfalen muslimische Parteien den Wählern. Ihr Programm zur Kommunalwahl mischt Modernes mit islamischer Tradition – und löst Sorgen aus
In den düsteren Prophezeiungen professioneller Islamkritiker fehlt eine Vorhersage fast nie: Auf dem Weg zur Islamisierung Deutschlands werde sich eines Tages eine muslimische Partei gründen. Diese Vorhersage scheint sich bei den heutigen Kommunalwahlen in NRW zu erfüllen. Denn in Städten wie Köln und Bonn treten nun – bundesweit erstmalig – muslimische Parteien zu einer Wahl an. Fragt sich nur: Muss man sich vor diesen Parteien fürchten?
Ausgerechnet der prominente Islamkritiker Udo Ulfkotte verneint dies. Es sei „doch viel besser, wenn Muslime ihre politischen Forderungen offen“ artikulierten. Dann wisse die Mehrheitsgesellschaft, worauf sie sich einzustellen habe. Ulfkotte bedauert nur, dass die neuen Parteien in NRW sich zierten, offen als Moslempartei aufzutreten – anders als zum Beispiel die „Nederlandse Moslim Partij“ (NMP) in Holland. Die hatte kürzlich verkündet, bei den nächsten Parlamentswahlen anzutreten, um für „islamische Werte“ zu kämpfen. Dagegen betonen Parteien wie das Bonner „Bündnis für Frieden und Fairness“ (BFF) oder die Kölner „Alternative Bürgerinitiative“ (ABI), sie seien keine reine Moslempartei, eher schon eine Migrantenpartei. Dass die Kandidaten trotzdem ausnahmslos Muslime sind, erklärt der ABI-Vorsitzende Kamuran Kayhan damit, dass Zeit und Kontakte gefehlt hätten, um Andersgläubige für die Partei anzuheuern. Wie dem auch sei – dass den neuen Parteien eine muslimisch geprägte Politik vorschwebt, ist unverkennbar. So fordert die ABI beispielsweise, künftig sollten Sportangebote und -plätze speziell für Frauen geschaffen werden. Das wird mit dem Wunsch begründet, die Gesundheit der Mitbürgerinnen zu fördern. Es lässt sich darin aber auch der Versuch erkennen, die von allen islamischen Rechtsschulen propagierte Geschlechtertrennung zu fördern.Daneben finden sich gerade im BFF-Programm viele karitative Forderungen, wie sie von den meisten Sozialverbänden hierzulande vertreten werden – von flexibleren Berufsmodellen für Alleinerziehende bis zu entschiedenerem Vorgehen gegen häusliche Gewalt. Spezifisch islamisch klingt wiederum die ABI-Forderung, zusätzlich zinslose Kredite an Familien zu vergeben, die sich keine Kinder leisten können. Damit greift die Partei eine in der islamischen Welt weit verbreitete Praxis auf, die zugleich das koranische Zinsverbot berücksichtigt.
Zudem plädiert die ABI für eine Zusammenarbeit der Stadt mit „gemäßigten“ Muslimverbänden. Als gemäßigt definierte der ABI-Vorsitzende Kayhan auf Anfrage jede Muslimorganisation, „die als Ansprechpartner von den deutschen Regierungen akzeptiert“ werde. Damit wäre zum Beispiel auch die Islamistengruppe Milli Görüs gemäßigt, obwohl sie vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Denn auch mit ihr pflegen Bundes- und Landesregierungen den Dialog.
Zu dieser Gruppe scheinen die Parteien in einer gewissen Nähe zu stehen. Zwei führende ABI-Mitglieder waren in einer Studentengruppe der Milli Görüs aktiv, mit einem Milli-Görüs-Funktionär leiteten sie später eine Internetzeitung. Und die Adresse der ABI ist laut Telefonauskunft identisch mit der von Milli Görüs in Köln. Dennoch beteuert Kayhan, kein ABI-Mitglied habe „Kontakt oder Verbindungen zu der IGMG“.
Ähnlich steht es um das Bonner BFF. Es ging hervor aus dem Rat der Muslime in Bonn. In dem sind mehrere Personen aktiv, die der Verfassungsschutz beobachtet – darunter der vormals hohe Milli-Görüs-Funktionär Hasan Özdogan. Allerdings beteuert Milli Görüs, sie unterstütze die Parteien nicht.
Traditionell muslimische Gesinnung beweist auch der BFF-Kandidat Ayyub Mühlbauer. Der Konvertit wirbt dafür, religiöse Gruppen sollten besser voneinander getrennt als durchmischt wohnen. So plädierte er öffentlich für die Errichtung religiös homogener Viertel nach dem Vorbild des muslimischen Andalusiens, in denen die Religionsgemeinschaften „autonom“ gelebt hätten.
Derartige Bekenntnisse lösen im säkularen Teil der deutschtürkischen Gemeinde Sorgen aus. Yücel Özdemir zum Beispiel, Korrespondent der linksgerichteten Zeitung Evrensel, warnt, dass „solche Parteien die Integration in Deutschland gefährden, weil sie Muslim-Ghettos bauen wollen“.
Eine Tendenz zur Desintegration sieht Özdemir auch in dem Zerrbild, das die Parteien zumindest punktuell von der Mehrheitsgesellschaft zeichneten. So fordert die ABI in ihrem Wahlprogramm, Kriterien für die Empfehlung von Schülern an weiterführende Schulen dürften „allein die Noten sein“, nicht aber „Hautfarbe, Religion oder kulturelle Herkunft“. Dies setzt voraus, dass deutsche Lehrer bislang bei manchen Schülern wegen deren Abstammung oder Religion nur ein niedriges Ausbildungsniveau gestattet hätten. Ähnlich steht es um die Forderung, dass „auch in sozialen Brennpunkten der Stadt“ die Straßen ausgebessert werden müssten – was den von allen großen Parteien bestrittenen Verdacht beinhaltet, die Stadt sorge bislang nur in wohlhabenderen Vierteln für ordentliche Straßen.
Wie es um die Erfolgschancen der muslimischen Parteien steht, ist unklar. Die großen islamischen Dachverbände bezeichnen eine Muslimpartei offiziell als nicht sinnvoll. Andererseits haben viele türkische Zeitungen in ihren Deutschlandausgaben über beide Gruppen berichtet, was ihre Popularität in der primären Zielgruppe erhöht haben dürfte.
Dass es mindestens für ein paar Plätze in Stadtrat und Bezirksvertretungen reichen dürfte, ist noch aus einem anderen Grund wahrscheinlich: Bei der Kommunalwahl gibt es keine Fünf-Prozent-Hürde.